Seit dem 1. Juli 2026 leitet Helen Wollstein-Gouba das Berufsbildungswerk München mit dem Förderschwerpunkt Hören und Sprache. Im Interview spricht sie über ihren beruflichen Weg, ihr Führungsverständnis und ihre Ziele für das BBW.
Helen, welche Erfahrungen bringst du für deine neue Aufgabe mit – und was hat dich daran gereizt, die Leitung des BBW München zu übernehmen?
Nach meinem Magisterstudium der Gehörlosenpädagogik, Philosophie und Kunstgeschichte war ich mehr als 20 Jahre beim Gehörlosenverband München und Umland (GMU) tätig, zuletzt in der Geschäftsleitung. Dort habe ich die Lebenswirklichkeit gehörloser Menschen intensiv kennengelernt. Am BBW reizt mich, diese Erfahrung einzubringen und junge Menschen auf ihrem Weg in eine selbstbestimmte berufliche Zukunft zu begleiten.
Wie hast du deine ersten Wochen im BBW erlebt?
Ich wurde sehr herzlich empfangen. Hier arbeitet ein generationsübergreifendes Team mit viel Erfahrung, Potenzial und Motivation. Besonders beeindruckt mich, dass die Teilnehmenden konsequent im Mittelpunkt stehen und viel dafür getan wird, ihnen bestmögliche berufliche Perspektiven zu eröffnen.
Auch die einmonatige Übergabe mit meinem Vorgänger Jürgen Schempp war sehr hilfreich. So konnte ich früh viele Bereiche und Abläufe kennenlernen.
Wie würdest du deinen Führungsstil beschreiben?
Nähe, Vertrauen und Transparenz sind mir wichtig. Aufgrund meines pädagogischen Hintergrunds möchte ich Mitarbeitende nicht nur anleiten, sondern sie darin unterstützen, Verantwortung zu übernehmen, ihre Stärken einzusetzen und über sich hinauszuwachsen.
Dazu gehört auch Beweglichkeit im Denken. Der Satz „Der Kopf ist rund, damit Gedanken ihre Richtung ändern können“ beschreibt meine Haltung gut. Wir sollten bereit sein, vertraute Sichtweisen zu hinterfragen und einander mit Empathie und Respekt zu begegnen.
Welche Aufgaben willst du zuerst angehen?
Wir wollen unseren Teilnehmenden noch mehr praxisnahe Erfahrungen ermöglichen, etwa durch Praktika und eine engere Zusammenarbeit mit Unternehmen. Der Kontakt zur betrieblichen Realität ist entscheidend für den Übergang in den ersten Arbeitsmarkt.
Ebenso wichtig sind Sprache, Selbstwahrnehmung und Identität. Eine tragfähige Denk- und Kommunikationssprache hilft jungen Menschen, ihre Fähigkeiten zu erkennen und ihre Interessen selbstbewusst zu vertreten.
Außerdem möchte ich das Vertrauen innerhalb des BBW und nach außen stärken. Dafür müssen wir gemeinsam eine Vision entwickeln, wofür das BBW stehen und was unsere Arbeit auszeichnen soll.
Wie möchtest du das BBW langfristig weiterentwickeln?
Mit einer stabilen Identität und guter Kommunikation können wir gemeinsam in dieselbe Richtung arbeiten. So wird das BBW zu einer starken Marke, die neue Teilnehmende erreicht und zugleich für qualifizierte Mitarbeitende attraktiv ist.
Unser Ziel bleibt, junge Menschen bestmöglich auf eine selbstbestimmte berufliche Zukunft vorzubereiten. Der Bezirk Oberbayern ist dabei als Träger ein wichtiger Partner. Ich sehe ihn sinnbildlich als großen Bruder: Er fordert uns manchmal heraus, steht uns aber verlässlich mit Rat und Tat zur Seite.
Woran würdest du erkennen, dass deine Arbeit erfolgreich war?
Wenn Mitarbeitende und Teilnehmende von einer gemeinsamen Idee getragen werden, einander vertrauen und konstruktiv zusammenarbeiten. Wenn wir gemeinsam gute Chancen für junge Menschen schaffen und zugleich klar vermitteln können, wofür das BBW München steht, dann haben wir viel erreicht.